Gestern Abend entschied ich, entgegen meines ursprünglichen Plans, noch an einer Stadtführung durch Kehlheim teilzunehmen, doch eher früh aufzubrechen. Nachdem ich die Zugverbindungen gecheckt hatte, wie ich mit dem D-Ticket am besten zurück nach Frankfurt komme – ihr wisst schon, ohne am Bahnhof den Wartetot wegen überfüllter Züge zu sterben – wurde mir klar, je später ich das versuche, um so voller würden die Züge sein. Und noch einmal zwei Stunden im Zug stehen, während Leute an einem vorbei aufs Klo wollen, gedachte ich zu vermeiden. So schwang ich mich um sechs Uhr aus dem Bett, schrieb meine Morgenseiten ins elektronische Tagebuch, packte meine Sachen und war nach einem kurzen aber kräftigen Frühstück um 7:30 Uhr draußen aus dem Gasthof Weißes Lamm. Mein Zug ging um 9:16 Uhr vom Bahnhof Saal an der Donau, was vom Hotel aus eine Fußstrecke von einer Stunde und zwanzig Minuten bedeutete. Ich zögerte. Allzu gerne wollte ich noch sehen, wie die Altmühl in die Donau mündet, wofür ich die langgezogene Landzunge entlang wandern müsste, um dann wieder ein Stück zurück zu gehen, um dann über die Donaubrücke zum südlichen Ufer der Donau zu gelangen und zum Bahnhof zu laufen. Eigentlich hatte ich mich am Vorabend bereits dagegen entschieden, da die Kartenapp nicht richtig mit der Brücke umzugehen wusste und mich eine Brücke weiter westlich hätte laufen lassen wollen, was natürlich um einiges länger gedauert hätte. Und dann packte es mich! Natürlich laufe ich zur Mündung! Wäre doch bekloppt, das jetzt, so kurz vorm Ziel, zu unterlassen. Zur not würde ich dann halt doch im Zug stehen. Mir doch egal. Trekkingstöcke raus und los. Mit eiligen Schritten stapfte ich durch die morgendliche Sonne in einer herrlich kalten und frischen Luft. Und siehe da, noch bevor ich die Mündung erreichte, wurde ich doch noch mit meinem Wassertropfen-glitzer-Foto, das ich mir so gewünscht hatte, belohnt.

Jetzt aber weiter! Vielleicht schaffe ich ja doch noch den Zug um 9:16 Uhr! Das Tack, Tack, Tack meiner Trekkingstöcke lief wie ein Uhrwerk. Trotz der Morgenkälte wurde mir schnell warm. Sollte ich meine Fleecejacke ausziehen? Keine Zeit! Weiter, weiter! Und dann war ich da.

Das war ein erhebender Moment für mich, zu sehen, wie sich die Wasser vermischen – und wie unterschiedlich die beiden Flüsse doch sind. Gegen die quirlige Donau wirkt die Altmühl ruhig und gemächlich. Und zusammengeflossen mit der Altmühl wird die Donau zu einem mächtigen Strom.
Und jetzt flott zurück zur Donaubrücke! Noch immer konnte mir die Kartenapp des amerikanischen Großkonzerns nicht die richtige Zeit sagen, die ich bis zum Bahnhof brauchen würde. Die Treppe von der Landzunge hoch zur Brücke war darin einfach nicht vorgesehen. Also los und Tempo halten! Nach weiteren sicher zehn Minuten zurück in die entgegengesetzte Richtung erreichte ich die Brücke, stieg die Treppe rauf – und musste jetzt doch unbedingt meine Jacke ausziehen, damit ich nicht in Schweiß zerfloss. Endlich dann, als ich am südlichen Ufer ankam, zeigte mir die Kartenapp des Suchmaschinenkonzerns die Ankunftszeit am Bahnhof Saal an: 9:18 Uhr. Oha. Tempo halten! Tack, tack tack mit Schwung! Und klar: Ich habe die Minuten rausgeholt und war dann sogar um 9:08 Uhr am Gleis.
Also keine Sorge: Mit entsprechender Planung und frühem Aufstehen schafft man es auch in den Zug rein. 🫣 Und um die finale Frage aufzulösen: Nein, ich musste nicht stehen. Ich hatte, auch wenn der RE von Würzburg nach Frankfurt wieder arg voll wurde, immer einen Sitzplatz. Frankfurt Ost stieg ich aus und gönnte mir noch die halbe Stunde Fußmarsch bis nach Hause.
Merci, wenn Du bis hierhin mitgelesen hast! Dafür danke ich Dir von ganzem Herzen. Und das nächste Mal schnürst Du Deine Schuhe und gehst selber los, oder?