Derselbe Planet

Was ist wirklich? Ich finde, das ist eine wirklich schwer zu beantwortende Frage. Dass ich im Altmühltal von Dorf zu Dorf über die erstaunlichsten Burgen stolpere, mag Menschen auf anderen Kontinenten, in denen es diese Art mittelalterlicher Kultur nicht gab, unwirklich erscheinen; wie aus einem Fantasyfilm; unglaubwürdig.

Burg Kipfenberg

Auch befindet sich das ganze Tal in einem Spannungsfeld zwischen kapitalistischer Moderne, Tourismus, historischem Bewusstsein und tiefer Religiosität.

‚Der Quader‘ für das Altmühltaler Mineralwasser
Statue von Gottfried Heinrich Graf zu Pappenheim, 1594 – 1632
Kirchenschiff der Barockkirche in Gungolding durch eine Lücke im Gitter hindurch fotografiert

Was davon ist wirklich? Verlässt man die Idyllischen Fluren des Altmühltals, stolpert man schnell über die landschaftlichen Wunden, die wir Menschen hinterlassen.

Ein weithin sichtbarer Steinbruch im Altmühltal

Was ist wirklich an einem solchen Urlaub, während die Welt sich, man mag ‚da draußen‘ schreiben, weiterdreht? Schon das ‚da draußen‘ ist ja falsch. Selbst wenn ein Urlaub, sei es auf den Malediven, im Skiparadies oder unterwegs auf den Füssen im Altmühltal, einem die Illusion gibt, für kurze Zeit auf einem irgendwie anderen Planeten zu sein, ist es doch derselbe. Es ist derselbe Planet, in dem wir uns Erholungsillusionen erschaffen müssen (oder Inseln der Ruhe?), um vom Ertragen der Wirklichkeiten, in denen wir feststecken, sei es der unliebsame Job, die wiederkehrende Verzweiflung über Klimakrisenleugnung, Geschlechterungerechtigkeit, häusliche Gewalt, Populismusgier, zerfetzende Heimaten und Körper in den Kriegen dieser Welt, Pause zu haben. Ist das wirklich?

Panoramablick von der Arnsberger Leite hinunter ins Tal

Weiter dreht sie sich, die Welt. Gerade Menschen in den extremsten Situationen, Kriege, Dürren, die so häufig gewordenen Überschwemmungen allenorts, haben oftmals keine Chance zu solch einem Rückzug, einem Moment der Ruhe, einem Moment für die eigene seelische Gesundheit, einem Moment ohne Gefahr für körperliche Unversehrtheit, einem Moment der Anerkennung ihrer Identität, ihrem ureigensten Sein. Voller Demut erkenne ich an, dass mir diese Insel der Ruhe, eine Pause vor all dem Wahnsinn, geschenkt ist, in diesem Augenblick, jetzt und wirklich. Es macht mich zutiefst dankbar, dass ich hier sein darf mit meinen Füssen auf diesem Weltenboden, in Frieden, in einer Demokratie, in diesem Ruheparadies, so reich beschenkt. Ich möchte dies so gerne teilen.

Ein Schmetterling aus der Familie der Weißlinge

2 Gedanken zu “Derselbe Planet

  1. Hallo Pascal,
    auch ich verspüre beim Lesen deiner Zeilen und beim Betrachten von vor allem den Naturaufnahmen Dankbarkeit darüber, dass wir Menschen dies erleben dürfen und es nicht selbstverständlich ist.
    Ich wünsche dir, dass du trotz der bestehenden schwierigen Weltlage mit deiner Wanderung Pause vom Alltag bekommst 🌸
    Danke fürs Teilen deiner Gedanken und einen besonders schönen Tag heute – du weißt warum 😘

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