Heute bin ich müde. Die Anstrengung der ersten Tage steckt mir in den Knochen. Wenn man zum Wandern losgeht, ist der erste Tag meist voll mit Energie, am zweiten kommen die ersten Schmerzen und am dritten zeigt einem der Körper durchaus den Vogel, was der ganze Quatsch eigentlich soll. Da gewöhnt man sich all die Monate und Jahre über an das Rumsitzen auf einem Bürostuhl und das Hineinstarren in die Pixelwelt und dann soll man auf einmal tagelang und ohne Unterlass in der Gegend rumlaufen? Mit den Jahren sammelt man da so seine Erfahrungen und kennt ein paar Tricks, mittels derer man diesen ‚Du hast doch nen Vogel!‘-Moment etwas Abmildern kann. Manches davon habe ich allerdings auf die harte Tour gelernt.
Das Gepäck
Als ich vor ungefähr 25 Jahren meine erste längere Wanderung unternommen hatte, war mein Rucksack 24kg schwer. OMG. Genau. Da war ein Doppelwandzelt für zwei Personen drin (warum?), ein voll ausgestatteter Trangia-Kocher mit Windschutz, zwei Töpfen (warum?) und einer Pfanne (warum?!), ein Schlafsack für bis zu -5 Grad Celsius (WARUM???), Essen für mehrere Tage (…) und noch ein paar Sachen mehr. Wenn ihr den ersten Artikel zur Wanderung über den Altmühltal-Panoramaweg gelesen habt, wisst ihr, mein aktueller Rucksack ist … leichter. Und das, obwohl ich auf dieser Wanderung auch etwas Unsinn mit mir herumschleppe, um digital schreiben und analog zeichnen zu können: Ohne Wasser wiegt er etwa 8,5kg. Das schleppt sich wirklich leichter. Das Zauberwort hierzu heißt ultra lightweight in modernem Outdoor-Denglisch. Wenn schon allein der leere Rucksack etwa 800g anstatt von 2,7kg wiegt, wird deutlich, wo diese drastischen Unterschiede herkommen. Klar! Dieses Mal schlafe ich in Hotels und muss weder Zelt noch Kocher mitschleifen. Dennoch: Letztes Jahr wog mein Rucksack mit Zelt & Co. ohne Wasser und Proviant weniger als 10kg.
Der Proviant
Hier bin ich immer noch ein Schisser und schleppe zu viel mit mir herum. Gestern z.B. auf der 25km Tour hatte ich drei Liter Wasser mit. Davon habe ich etwa zwei getrunken und ansonsten bei Frühstück und Mittagsrast Getränke zu mir genommen, so dass ich auf eine Bilanz von etwa 3 Litern kam. Eigentlich hätte ich die Wasserblase einfach leer lassen können und anstatt dessen (super Trick von Christine Thürmer!) an dem einen oder anderen Friedhof Halt machen können, um meine Flasche aufzufüllen. Oder noch einfacher: Wenn man in einem Gasthof, einem Geschäft oder dergleichen fragt, ob man sein Wasser auffüllen darf, sagt so gut wie niemand nein. Auch was das Essen anbetrifft: Würde ich auf eine mehrtägige Zeltwanderung aufbrechen, nähme ich nicht wieder Proviant für mehrere Tage mit. Wenn man ganz sicher gehen will, kann man zwei Mahlzeiten dabei haben. Aber auch das ist in einem hochentwickelten, mitteleuropäischen Land aller Wahrscheinlichkeit Quatsch. Wenn man nicht gerade an den Osterfeiertagen unterwegs ist, kommt man immer an irgendwelchen Supermärkten oder Läden vorbei, wo man einfach was kaufen kann. Und: Für den Notfall sollte man Nüsse dabei haben. Sättigen, geben Energie und sind leicht zu transportieren.
Die Tourenplanung
Auf besagter Wanderung mit 24kg schwerem Rucksack war ich am ersten Tag unbremsbar voller Energie – und bin 50km gelaufen, bis ich mein Zelt aufgeschlagen hab. Der Tag darauf war … interessant. Zudem hatte ich damals noch auf diversen Unsinn, was das Schuhwerk anbetrifft, gehört und schwere Leder-Wanderschuh-Trümmer an den Füßen. Ich hatte sie rund zwei Wochen eingelaufen – dachte ich. Ich war damals sehr, sehr froh über moderne Blasenpflaster.
50km am ersten Tag laufen ist natürlich blanker Schwachsinn. Die Tour des ersten Tags einer solchen Wanderung sollte meiner Meinung nach 10km nicht überschreiten. Und den zweiten Tag kann man durchaus auch eher kleiner-gleich 20km halten, so dass man seinem Körper etwas sanfter beibringt: Du musst jetzt sehr stark sein! Etwa ab dem dritten oder vierten Tag läuft der Körper dann quasi von alleine. Auch, zumindest ist das bei mir so, gehen Knieschmerzen dann weg, die meist am zweiten Tag insbesondere bergab echt ätzend sein können.
Wer weite Wege geht, sollte auch Pausentage einplanen, an denen man mal was anderes machen kann. Für den Altmühltal-Panoramaweg habe ich das etwa auf der Hälfte der Tour eingeplant.
Das Schuhwerk
Auch hier habe ich den Tipp von Christine Thürmer beherzigt und die viel zu schweren Riesenschuhtrümmer mit Klumpfußcharakter mit leichten Wanderhalbschuhen ersetzt. Letztes Jahr hatte ich noch Trailrunningschuhe gewählt, was aber den Nachteil hat, dass die Sohle für Asphalt nicht wirklich geeignet ist und sich entsprechend schnell abläuft. Aber dennoch ist das für Wanderungen eine Option, während derer asphaltierte Wege die Ausnahme sind. Habe ich das bisher bereut? Nope. Nicht eine Sekunde. Es ist schlicht … viel angenehmer. Denn ich gehe schließlich keine hochalpinen Touren, sondern Wanderwege, auf denen Menschen der umliegenden Dörfer auch spazieren gehen. Spätestens jetzt, falls Du an dieser Aussage immer noch zweifelst, kannst Du Dir die Frage stellen: Gehen Spaziergänger*innen mit dicken Wandertrümmern spazieren? Eher nicht. Genau.

Kleidung
Der Trick hier ist: Wechsele sie klug! Es ist einfach schlau, Kleidung für den Aufenthalt in der Zivilisation vorzuhalten und eben nicht beim schweißtreibenden Wandern zu tragen. So kann man sich nach vollbrachtem Tagwerk waschen und die ‚feineren‘ Klamotten überstreifen. Diejenigen Kleidungsstücke, die man tagsüber trägt, kann man auf Hotelwanderungen alle paar Tage einfach im Waschbecken waschen (mit der gebotenen Vorsicht, keine epischen Sauereien anzurichten) oder auf Zeltwanderungen an den Pausentagen. Den Geruch, den man mit den Klamotten für den Schweißbetrieb nach ein paar Tagen ausströmt, bemerkt man selbst nicht. Ist mein voller Ernst. Wirklich!
So habe ich auf dieser Wanderung zwei leichte Outdoor-Hosen, ein kurzärmliges Funktionsshirt, ein T-Shirt aus Baumwolle für den Gang in die Zivilisation, eine Garnitur Thermounterwäsche, die ich auch als Schlafanzug nutze, drei Paar Socken (zwei hätten auch gereicht), zwei Unterhosen, ein Schlauchtuch, eine Mütze, ein Stirnband gegen Wind, eine dünne, winddichte Regenjacke (reicht völlig und ist gut für den Geldbeutel) und eine gute Fleece-Jacke mit Windstopperfunktion dabei. Für den Fall von Regen habe ich einen Regenschirm dabei, den ich an meinen Rucksackgurten befestigen kann, um weiterhin mit meinen Trekkingstöcken laufen zu können. Das ist eine der besten Veränderungen im Vergleich zu früheren Wanderungen! So simpel! Und so effektiv! Zum Waschen der Klamotten habe ich etwas tolles gefunden: Waschmittel-Blätter! Habe ich im Supermarkt entdeckt, sind sehr leicht, lassen sich super portionieren und sind trivial in der Anwendung. Ein viertel Papier reicht für eine Handwäsche in einem Hotelwaschbecken. Ein halbes Papier soll man auf 4L Handwäsche nehmen.

Der Rucksack
800g anstatt der 2,7kg meines alten Rucksacks. Das ist ein Wort, oder? Wenn Du jetzt auf diversen Outdoor-Shops bei den üblichen Rucksackmarken nachsiehst, wirst Du feststellen: Die sind ja alle schwerer! Das liegt vor allem an folgenden Eigenschaften:
1. Viele Rucksäcke werden mit diversen Fächern beworben. Meiner hat nur ein großes Fach und zwei sehr simple Seitenfächer für Trinkflasche & Co. Ah! Ein Vorderfach für den Geldbeutel gibt es auch noch! Aber das war‘s. Kein Bodenfach, Keine Deckeltasche, keine Innentaschen oder -unterteilungen. Das spart Stoff.
2. Es gibt fantastisches Marketing zu dicken Rucksackpolsterungen an Schultergurten, Rückenflächen und Beckengurten. Mein Rucksack hat keine Rückenpolsterung. Jo. Richtig gehört. Nix. Gar nix. Der Beckengurt ist ein breiterer Standardgurt mit minimaler und die Schultergurte haben eine flache, aber dank ultra lightweight Inhalt völlig ausreichende Polsterung. Auch etwaige Metallgestelle in Beckengurten zum Tragen hoher Gewichte sind so einfach nur unnötig. Konsequenz: Viel gespartes Gewicht. Vermisse ich die Rückenpolsterung? Nein. Wenn man seinen Rucksack mit etwas Bedacht packt, spürt man da am Rücken gar nichts.



Zwischenfazit
Du siehst: Wenn man sich den Umständen der geplanten Wanderung anpasst, wird vieles leichter – ganz im ureigenen Sinne des Worts. Was noch weitere Tipps in Sachen Zelt, Kocher & Co. anbetrifft, möchte ich ein anderes Mal dazu schreiben, denn jetzt bin ich ja auf einer Hotelwanderung. (Und es ist schon spät. Schluck!) Vielleicht regt Dich das ja auch mal an, über die Art und Weise, wie Du wandern gehen möchtest, nachzudenken, falls Du das nicht schon längst gemacht hast. Ich werde jedenfalls das Gewicht meines Gepäcks weiter optimieren und dadurch beim Gehen weiter Wege am Ende mehr Spaß haben.
Morgen möchte ich euch mal mein digitales Schreibset vorstellen, das für mich einen super Kompromiss in Sachen Komfort und Gewicht darstellt. Und ihr seht ja: Damit kann ich euch von der Wanderung aus schreiben und die Texte sogar per WordPress veröffentlichen.
Wenn Du bis hierhin gelesen hast, bekommst Du noch ein paar Fotoeindrücke von der Route Dollnstein – Eichstätt von heute zur Belohnung. Es sind dieses Mal nicht so viele Fotos geworden, aber dennoch ein paar schöne Motive:






