Was ist, wenn Du anders bist,
Der Tag an Deiner Seele frisst,
In den gezwungen all Dein Sein?
Drehst mit und mit und reihst Dich ein.
Bequem ist es, sich mitzuschwingen,
Mit irgendwas sich zu verdingen,
Tagein, tagaus und kehr um kehr,
Drehst mit und mit und drehst Dich leer.
Bist Du’s nicht, der sich Dir nicht stellt?
Entscheidung Tag um Tag nicht fällt?
Hegst und pflegst den schalen Schmerz.
Wo ist in Dir die and’re Welt?
Die einsam nachts Dein Sein erhellt?
Sie kratzt am Sarg; der um Dein Herz.
Ein Gedicht über das Anderssein und Depression…
Das Bild von oben füge ich hier noch einmal ein, da die Darstellung als Beitragsbild die Gesamtansicht formatbedingt reduziert. Ich habe es im Juli dieses Jahres gemalt, einer Zeit, in der mich eine Depression aus dem Alltag herausgeworfen hat. Es ist ein dunkles Bild. Und doch: Nachdem das Bild aus mir herausgeflossen war, ging es mir besser. Es war eines der Puzzleteile, die mir nach und nach geholfen haben, wieder festen Boden unter die Füße zu bekommen.

Das Gedicht hingegen ist älter. Vor wenigen Wochen habe ich es wiederentdeckt und festgestellt, dass ich es bereits 2022 verfasst hatte. Damals war ich über das drastische Bild, das der letzte Vers zeichnet, so erschrocken, dass ich noch sechs weitere Versionen davon schrieb. Jetzt, nachdem ich es wiederentdeckt habe, muss ich feststellen: Die allererste Version ist die beste. Es ist ein, wie ich finde, sehr exaktes Wortbild der Dunkelheit, die in meiner Seele bereits damals umging. Ich war zu dieser Zeit schlicht nicht in der Lage, dies zu akzeptieren. Ein Gedicht über das Anderssein und eine Depression also. Hätte ich mit mehr Achtsamkeit damals schon erkennen können, dass es da in mir ein lebensnotwendiges Bedürfnis gibt, das aus diesem Sarg heraus muss, bevor ich nicht mehr ich bin? Was kann ich in Zukunft tun, was kann ich lernen, dass ich nicht mehr in eine Situation gerate, in der einfach gar nichts mehr geht und ich in Tränen aufgelöst zusammenbreche?
Natürlich kann ich lernen:
Ich habe einen Therapeuten gefunden, der mir, wie ich finde, gut hilft und mit dem ich mich gut verstehe (Das ist wichtig!!!). Schon drei wirklich praktikable Dinge habe ich bei ihm im ersten Viertel der Therapie gelernt, die mir helfen und die ich jetzt zu meinem Werkzeugkasten der Selbstfürsorge zählen kann. Ich kann sie daraus immer hervorholen, wenn ich sie brauche. (Bitte schreibt mir gerne in die Kommentare, ob ihr darüber mehr wissen möchtet.)
Dunkelheit ist auch Leben – nimm es an!
Es ist die zweite Therapie, die ich in meinem Leben angefangen habe. Und das ist ok. Eine Therapie ist ok. Leute, die anderes behaupten… haben echt keinen Schimmer. Ich habe übrigens nie verheimlicht, dass ich Depressionen hatte oder habe. Kein*e echte*r Freund*in, kein*e liebe*r Verwandte*r hat mich deswegen geächtet oder nicht mehr angesehen. Auch meine Kolleg*innen oder Vorgesetzte nicht. Es gab auch Menschen, die ich aus diesem Grund verlassen habe oder die mich verlassen haben. Letztlich war das reinigend. Aber das waren die Ausnahmen – zumindest in meinem Fall. Vielleicht erklärt das auch das tiefe Bedürfnis in mir, mein Gedicht über das Anderssein und Depression öffentlich zu machen und zu sagen, dass man das durchstehen kann. Es ist eine Momentaufnahme meines Herzens, eine, die ich verschenken möchte, und eine mit Hoffnung.
Eine Depression ist eine Chance.
Ich sage, dass man von einer Depression lernen und daran wachsen kann. Vor mehr als 25 Jahren, als ich meine erste Depression hatte, habe ich verstanden: Die Seele sagt ‚Stop!‘ und zwingt zum Innehalten. Sie sagt Dir, dass es da etwas zu verändern gibt, etwas, worüber Du lernen musst, etwas, wenn Du’s irgendwann begriffen und überstanden hast, was Dir letztlich Deinen Weg, den Du gehst, leichter machen wird. Den ersten Schritt zu gehen, wenn man Hilfe braucht, ist vielleicht absolut unfassbar und krass und maximal furchteinflößend; oder bis auf die Knochen schambehaftet. Aber es ist wie mit vielen Dingen im Leben: Danach wird es leichter. Und das ist doch schön, oder?
Hey, geht es Dir schlecht?
Zu erst einmal: Du bist nicht allein, wie Du an diesem Post hier erkennen kannst. Viele von uns tragen Dämonen mit uns herum. Manchmal schreien sie so laut, dass …
… wir Hilfe brauchen. Ich nehme Hilfe in Anspruch. Hier ein paar Ideen für Dich, wo Du Hilfe suchen kannst:
Deutsche Depressionshilfe: Wo finde ich Hilfe?
Falls Du schon ein paar Schritte weiter bist, aber schon diverse Therapeut*innen & Co. durchtelefoniert hast und keinen Termin bekommst, möchte ich Dir den Tipp geben, es mit der Internetseite der 116117 zur Terminbuchung zu versuchen. Mittels derer habe ich es geschafft, zeitnah Termine bei einem Therapeuten und bei einer Psychiaterin zu bekommen (auch wenn ich für letztere eine Anreise mit der Regionalbahn von einer Stunde in Kauf nehmen musste):
Und jetzt noch ein Tipp, der mir selbst sehr geholfen hat: Fang an, Sport zu machen. Heute. Oder, falls Du nicht im Büro sitzt oder so, jetzt gleich. Ich konnte z.B. bei unserem Sportverein für sehr kleines Geld ein Zusatzabo zum Schwimmen für die ganze Familie lösen. Ich habe zwar, um mich zum ersten Schwimmen aufzuraffen, etwa einen ganzen Tag gebraucht, um eine Badehose anzuziehen, aber ich hab’s geschafft und bin hingegangen – fast jeden Tag. Und ja: Das mit dem Abo hab ich nicht beim ersten Mal hinbekommen – aber noch in derselben Woche.
Anmerkung für Menschen, die Depressionen selbst nicht kennen:
Ja. Ist so. Ich habe etwa einen Tag benötigt, eine Badehose anzuziehen. Klingt absurd. Ich weiß. Habe ich sonst noch etwas gemacht an diesem Tag? Wahrscheinlich nicht. Und doch: Es ist ein kleines Wunder, dass ich das in meiner damaligen seelischen Verfassung geschafft habe. Menschen mit sehr schweren Depressionen schaffen das vielleicht nicht. Und: Nein. Unwissende Ratschläge nach dem Motto ‚Da musste Dich einfach mal zusammenreißen!‘ sind nicht hilfreich. Sie sind so, als ob Du mit einem Schuh nach dem Menschen mit der Depression wirfst – sehr unsensibel. Es ist so, als würdest Du das Problem der Person verleugnen. Das ist fast so, als würdest Du die Person selbst verleugnen. Mach das nicht. Wenn Du nicht weiter weißt: Auch Angehörige können Hilfe in Anspruch nehmen:
Deutsche Depressionshilfe: Rat für Angehörige
🙏🏻 Vielen Dank, dass Du das gelesen hast. Möge Deine Heilung und das Hier und Jetzt mit Dir sein!
English version (Translation heavily supported by ChatGPT):
Sameness
What if you are different,
The day devours your soul,
All your being clenched in routine?
You spin and spin and fall in line.
It’s so convenient to sway along,
To serve a hollow cause,
Day in, day out, turn after turn,
You spin and spin into the void.
Aren’t you the one who shuns yourself?
Who fails to choose, day after day?
Nurturing and nursing the stale pain.
Where inside you lies the other world?
The one that lights your being at night?
It scratches at the coffin around your heart.
A Poem About Being Different and Depression…
I’m including the image from above here again because displaying it as a featured image reduces the overall view due to formatting. I painted it in July of this year, a time when depression had thrown me out of my daily routine. It is a dark painting. And yet, after the image had flowed out of me, I felt better. It was one of the puzzle pieces that gradually helped me regain solid ground under my feet.

The poem, however, is older. A few weeks ago, I rediscovered it and realized that I had already written it in 2022. Back then, I was so shocked by the drastic image painted by the last verse that I wrote six more versions of it. Now, after rediscovering it, I had to admit: the very first version was the best. It is, in my opinion, a very precise verbal depiction of the darkness that was already present in my soul at that time. I was simply not able to accept it back then. So, a poem about being different and depression. Could I have recognized back then, with more mindfulness, that there was a vital need within me that had to come out of this coffin before I was no longer myself? What can I do in the future, what can I learn so that I no longer end up in a situation where nothing works anymore and I break down in tears?
Of course, I can learn:
I have found a therapist who, I believe, is helping me well and with whom I get along well (that’s important!!!). In the first quarter of the therapy, I have already learned three really practical things that help me and that I can now include in my toolbox of self-care. I can always bring them out when I need them. (Please feel free to write me in the comments if you would like to know more about them.)
Darkness Is Also Life—Accept It!
It is the second therapy I have started in my life. And that’s okay. Therapy is okay. People who claim otherwise… really have no clue. By the way, I have never hidden the fact that I had or have depression. Not a single true friend, no dear relative—has ostracized me or looked at me differently because of it. Neither have my colleagues or superiors. There were also people whom I left for this reason or who left me. In the end, it was cleansing. But those were the exceptions—at least in my case. Perhaps this also explains the deep need within me to make my poem about being different and depression public and to say that you can get through it. It’s a snapshot of my heart—one I wish to give away, and one filled with hope.
Depression is an opportunity.
I say that you can learn from depression and grow because of it. More than 25 years ago, when I had my first depression, I understood: the soul says „Stop!“ and forces you to pause. It tells you that there is something to change, something you need to learn about—something that, once you’ve eventually understood and overcome it, will ultimately make your path easier. Taking the first step when you need help may be absolutely unbelievable and extreme and maximally frightening—or shameful to the bone. But it’s like many things in life: afterwards, it gets easier. And that’s nice, isn’t it?
Hey, are you feeling bad?
First of all: You are not alone, as you can see from this post. Many of us carry demons around with us. Sometimes they scream so loudly that…
…we need help. I’m seeking help. Here are some ideas for you on where you can find help:
International 🌏 links with searches for your country:
US 🇺🇸:
- https://988lifeline.org/
- https://www.mentalhealth.gov/
- https://www.samhsa.gov/find-help/national-helpline
UK 🇬🇧:
Canada 🇨🇦:
Australia 🇦🇺:
Germany 🇩🇪: Deutsche Depressionshilfe: Wo finde ich Hilfe?
And now another tip that has helped me a lot: Start exercising. Today. Or, if you’re not sitting in the office or something, right now. For example, I was able to get an additional swimming subscription for the whole family at our sports club for very little money. It did take me about a whole day to motivate myself to put on swimming trunks for the first swim, but I did it and went—almost every day. And yes: I didn’t manage to get the subscription the first time—but still within the same week.
Note for people who are not familiar with depression:
Yes. That’s how it is. It took me about a day to put on swimming trunks. Sounds absurd. I know. Did I do anything else that day? Probably not. And yet: It’s a small miracle that I managed that in my mental state at the time. People with very severe depression might not be able to do that. And no, ignorant advice like „You just need to pull yourself together!“ is not helpful. It’s like throwing a shoe at someone with depression—very insensitive. It’s as if you’re denying the person’s problem, almost like denying the person themselves. Don’t do that. If you don’t know what else to do: Loved ones can also seek help and contact one of the links from above.
🙏🏻 Thank you very much for reading this. May your healing and the Here and Now be with you!