Einen Wetterwechsel live zu erfahren, ist etwas Besonderes. Den Morgen über war es recht schwül gewesen. Ich nahm den Weg an der Stelle wieder auf, wo ich ihn vor zwei Tagen verlassen hatte. Nach kurzer Zeit kam ich an anderer Stelle wieder nach Beilngries rein und entdeckte an einer völlig unscheinbaren Stelle einen ausgestellten, alten Arbeitszug.

Der Saharasand oben über Beilngries färbte die Sonne in ein leichtes Schmuddelgelb und ich kämpfte mich schwitzend den Berg hoch, um dann am selben Berg auf derselben Seite nochmal runter zu müssen, wissend, dass es danach wieder rauf geht. Der Weg ging halt so – warum auch immer. Ich kam bei einem Friedhof raus, was mir die Gelegenheit gab, meine Wasserflasche aufzufüllen, die ich schon zu zwei Dritteln geleert hatte. Die Temperatur und die Luftfeuchtigkeit ließ mir die Hose an den Beinen kleben. Eklig warm halt.

Erst als ich da wieder raus bin, habe ich gemerkt, wie weit ich wieder vom Berg runter war. Ein ganz schönes Geschnaufe war nötig, um da wieder hoch zu kommen. Dann ging es erst mal über einen schön gestalteten Waldlehrpfad, mit Vorschlägen, die mir allesamt gut gefallen haben. Waldbaden unter Nutzung der ‚Waldgarderobe‘, an der man zusammen mit seiner Jacke auch die Alltagssorgen lassen soll, um das Walderlebnis richtig zu genießen. Später gab es dann eine Stelle mit einer Einführung in meditatives Wandern, eine Form des Schreitens, bei der man jeden Schritt in all seinen Facetten wahrnehmen kann, wenn man sich darauf einlässt.

Mich trieb es allerdings weiter, auch wenn ich beide Ideen schön fand. Meine Meditation ist aktuell ja eine andere: In meinen Wanderrhythmus kommen und Bilder von Grün und Natur in mich aufsaugen und nach und nach eins mit ihr, mit dem Weg werden.
Um Punkt 12 habe ich mich oben auf dem Berg auf einen Baumstamm gesetzt, um Mittagsrast zu halten. Und während ich da saß und meine Sachen aufgegessen hab‘, war es bis auf das Zwitschern der Vögel vollkommen still um mich herum. Wegen der ganzen Schwitzerei war ich froh über die Pause. Und dann geschah es: Mit einem Rauschen durch die Blätter der Bäume wechselte das Wetter. Von diesem Zeitpunkt an wurde ich von Wind begleitet. Auch kühlte die Luft merklich ab. Später, am Main-Donau-Kanal, ja, so weit bin ich schon, fegte die kalte Luft so über die Ebene, dass ich mir meine Fleece-Jacke und mein Ohrenband anzog. Mir war tatsächlich, trotz intensiver Bewegung, kühl.
Ein Gewitter haben wir alle schon einmal erlebt. Das ist ja auch eine Form von schnellem Wetterwechsel – wenn auch meist kurzzeitig. Aber so, wie heute, habe ich es draußen noch nie erlebt. Plötzlich war der Wind mit dem Rauschen in den Bäumen da. Und er blieb. Mit ihm kam die Kühle, sowie grauer, statt schmutzig gelber Himmel. Die Natur ist gewaltig. Und wir sind nur winzige Mys inmitten der Elemente.

Der Hauch, der nun fortwährend durch die Flur glitt, befreite hunderte Bäume von grünlichen Blüten, deren Lebensspanne heute endete.

Wieder beschert mir der Weg den Blick auf ein Schloss an einer Stelle der größt möglichen Unwahrscheinlichkeit.

Nach guten 23 Kilometern kehre ich im Gasthof Schmid ein und werde von einer reizenden, älteren Wirtin als der einzige Gast des Abends empfangen und mit reichlich Essen versorgt. Müde bin ich heute und werde jetzt um neun tatsächlich ins Bett fallen und schlafen. Die drittletzte Etappe meines Weges war das heute. Ich fühle bereits die Wehmut des nahenden Endes der Wanderung und bin doch gefüllt mit Glück über die Erlebnisse, meinen Weg zu mir selbst, der mir heute, noch bevor ich mich auf den Wanderpfad gemacht habe, zwei Wunder geschenkt hat. Zwei für mich ganz besondere persönliche Erkenntnisse, die ich ab jetzt tief im Herzen tragen darf; und die meine Geheimnisse bleiben.
Bis morgen <3